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Kreta 2026 – eine Woche Meer, Geschichte und ein paar sehr gute Kalamari

Samstag, 30. Mai 2026 – Von Wien nach Kreta

Der Abflug war am Samstag, dem 30. Mai 2026, gegen Mittag. Klingt entspannt. Ist es aber nur auf dem Papier.

Denn auch wenn man in Wien wohnt, heißt „Abflug gegen Mittag“ nicht: gemütlich frühstücken und irgendwann los. Es hieß: vor 9 Uhr daheim weg, zuerst mit der Schnellbahn, dann am Hauptbahnhof umsteigen Richtung Flughafen. Also Urlaub ja – aber vorher noch einmal das kleine Wiener Öffi-Trainingsprogramm.

Auf Kreta kamen wir gegen 18 Uhr Ortszeit im Hotel Agapi Beach an. Der erste Abend war genau richtig: Hotelanlage erkunden, schauen, wo was ist, ein bisschen ankommen und Abendessen. Nach diesem Reisetag brauchte es kein großes Programm mehr. Kreta durfte erst einmal nur da sein.

 

Sonntag – Knossos, Heraklion und sehr gute Kalamari am Meer

Der erste volle Tag begann gleich mit einem Klassiker: Knossos. Große Geschichte, viele Menschen, viel Sonne und der Versuch, sich vorzustellen, wie das alles einmal ausgesehen haben könnte. Beeindruckend war es auf jeden Fall – auch wenn man merkt, dass Knossos natürlich kein Geheimtipp ist.

Danach ging es nach Heraklion. Bevor wir ins Naturhistorische Museum gingen, machten wir Pause in einer Taverne am Meer. Und dort gab es ausgezeichnete Kalamari. Genau solche Momente bleiben oft stärker hängen als geplant: Man sitzt am Meer, isst etwas wirklich Gutes und denkt sich – ja, so kann Urlaub funktionieren.

Im Naturhistorischen Museum war dann der Erdbebensimulator besonders spannend. Kreta ist eben nicht nur Sonne, Meer und Ausgrabungen, sondern liegt auch in einer geologisch aktiven Region. Das wird einem in so einem Simulator sehr direkt bewusst. Urlaub mit Bildungsanteil, könnte man sagen. Und ein bisschen Rüttelplatte war auch dabei.

Danach durfte natürlich auch der Hafen von Heraklion nicht fehlen. Ein Hafen geht immer: Wasser, Boote, Wind, Menschen und dieses Gefühl von Weite. Nach Knossos, Kalamari und Erdbebensimulator war das ein ziemlich guter erster Urlaubstag.

 

Montag – Rethymnon, Fortezza und eine richtig herzliche Hotel-Taverne

Am Montag stand Rethymnon auf dem Programm. Eine Stadt zum Schauen, Gehen, Stehenbleiben und wieder Weitergehen. Gassen, Häuser, Geschäfte und immer wieder dieser Blick Richtung Meer.

Besonders beeindruckend war die venezianische Fortezza, also die Festung von Rethymnon. „Wehranlage“ wäre nicht falsch, aber Fortezza trifft es besser. Sie liegt groß und eindrucksvoll über dem Meer und hat deutlich mehr Atmosphäre, als der nüchterne Begriff Wehranlage vermuten lässt. Nebenbei war sie auch deutlich günstiger als Knossos – was die Sache nicht schlechter gemacht hat. Im Gegenteil.

Am Abend blieben wir in der Hotelanlage und gingen à la carte in der Taverne essen. Und die war wirklich sehr gut. Nicht nur wegen des Essens, sondern auch wegen der Herzlichkeit. Man merkt schnell, ob irgendwo nur serviert wird – oder ob Menschen ihren Gästen wirklich freundlich begegnen. Dort war es eindeutig Letzteres.

Nur der Salat hatte offenbar andere Pläne. Ganz fertig essen konnten wir ihn nicht, weil der Teller recht flott abgeräumt wurde. Sagen wir so: Der Service war aufmerksam. Sehr aufmerksam.

 

Dienstag – Bummelzug, Kloster Savathiana und Achlada

Am Dienstag wurde es etwas gemütlicher. Mit einem Bummelzug ging es zuerst zum Kloster Savathiana und danach in das Bergdorf Achlada.

Im Kloster Savathiana ergab sich ein angeregtes Gespräch mit einer Klosterschwester. Sie war unglaublich herzlich und erzählte, dass im Kloster Öle und Balsame für diverse Wehwehchen hergestellt werden. Sie selbst reibt sich damit ein – offenbar mit Überzeugung und Erfahrung.

Solche Begegnungen kann man nicht planen, und gerade deshalb bleiben sie oft besonders gut in Erinnerung. Es war nicht nur ein kurzer Besuch an einem schönen Ort, sondern auch ein menschlich warmer Moment. Und ja, wenn eine Klosterschwester so überzeugt von ihren Ölen und Balsamen erzählt, hört man zu. Schon aus Respekt. Und ein bisschen aus Neugier.

In Achlada blieb besonders ein venezianisches Haus in Erinnerung, das noch erstaunlich gut erhalten war. Das sind für mich oft die interessanteren Momente: keine große Inszenierung, kein riesiges Schild, sondern einfach ein Gebäude, das noch dasteht und Geschichte in den Alltag hineinträgt.

 

Mittwoch – Margarites, Keramik und drei Mamas mit Herz

Am Mittwoch ging es nach Margarites, ein Bergdorf mit vielen Keramikläden. Dort gab es genug zu schauen: Farben, Formen, kleine Werkstätten, Geschäfte und diese Mischung aus Handwerk und Tourismus, die trotzdem noch angenehm wirkte.

Besonders schön war aber die Taverne im Ort. Drei freundliche Mamas führten sie mit so viel Liebe, dass man es nicht übersehen konnte. Das war kein perfekt durchgestylter Gastronomiebetrieb, sondern ein Ort mit Wärme. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen „wir haben dort gegessen“ und „daran erinnere ich mich gerne“.

Am Abend waren wir beim Italiener in der Hotelanlage. Das Essen war – sagen wir es freundlich – speziell. Nicht katastrophal, aber auch nicht der kulinarische Höhepunkt der Reise. Gehört dazu. Nicht jeder Teller muss Applaus bekommen.

 

Donnerstag – Spinalonga, Olivenöl, Raki und Sonnenuntergang wie im Bilderbuch

Am Donnerstag ging es mit dem Boot zur ehemaligen Leprainsel Spinalonga. Schon die kurze Bootsfahrt hatte ihren eigenen Reiz. Die Insel liegt schön, trägt aber eine schwere Geschichte. Das macht den Besuch besonders: Man sieht das Meer, die Mauern, das Licht – und gleichzeitig weiß man, dass dieser Ort nicht nur romantisch ist.

Danach besuchten wir das Olivenmuseum Striligkas mit Verkostung von Ölen, Oliven und Raki. Das war wieder eine andere Seite von Kreta: nicht Ausgrabung, nicht Stadt, sondern Landwirtschaft, Geschmack und Tradition. Olivenöl ist dort nicht einfach ein Lebensmittel. Es gehört zur Kultur. Und Raki offenbar auch. Ob man ihn braucht oder nicht, sei dahingestellt – angeboten wird er jedenfalls mit Überzeugung.

Am Abend gab es dann noch einen Sonnenuntergang am Strand wie im Bilderbuch. Kein großes Programm, keine Erklärung notwendig. Meer, Himmel, Licht – und dieser Moment, in dem man einfach nur hinschaut. Manchmal darf Urlaub auch einfach schön sein, ohne dass man daraus gleich eine Lebensweisheit machen muss.

 

Freitag – Chania, Leder, Hafen, Freddo Espresso und ein „Solod“

Am Freitag ging es nach Chania. Schon auf der Fahrt dorthin gab es einen kleinen, überraschend guten Zwischenstopp: In einem völlig unscheinbaren Geschäft an der Autostraße tranken wir einen sehr guten Freddo Espresso. Genau solche Orte sind oft die besten. Von außen denkt man sich nicht viel – und dann passt es einfach.

Chania selbst war wunderschön. Besonders der Hafen: Wasser, Licht, Häuser, Promenade, Boote – alles sehr stimmig. Dort kann man gut gehen, schauen, sitzen und noch einmal schauen. Ein Hafen, bei dem man versteht, warum alle dorthin wollen.

Auch die Ledergeschäfte waren auffallend. Chania hat dadurch eine schöne Mischung aus Stadt, Handwerk, Tourismus und Geschichte. Es ist lebendig, aber nicht nur laut.

Am Abend gingen wir in eine Taverne außerhalb der Hotelanlage. Dieses Essen war eher speziell. Als Einzelperson durfte ich mir meinen Salat als Vorspeise beispielsweise nicht einfach selbst auswählen. Dafür gab es am Nebentisch Österreicher, die einen „Solod“ bestellen wollten. Auch das gehört zum Urlaub: Man fährt weg und trifft trotzdem verlässlich auf österreichische Sprachakrobatik.

 

Unterwegs auf Kreta – Autofahren mit eigenem System

Erwähnenswert ist auch der Autofahrstil auf Kreta. Nicht unbedingt zu schnell, aber durchaus beherzt. Es wird gefahren, als hätte sich über die Jahre ein eigenes, unausgesprochenes System entwickelt, das alle irgendwie verstehen – außer vielleicht jene, die zum ersten Mal dabei sind.

Langsamere Autos weichen teilweise auf den Pannenstreifen aus, damit Schnellere vorbeikommen. In den Städten sind viele Mopedfahrer unterwegs, die sich ihren Raum nehmen. Dazu kommen Radfahrer auf der Autostraße, Fußgänger auf der Autostraße und Straßenarbeiter, die Schotter zusammenkehren. Da schaut man als Österreicherin erst einmal interessiert. Und vielleicht auch ein kleines bisschen konzentriert.

Man könnte sagen: Der Verkehr ist nicht chaotisch. Er folgt nur einer Logik, die man nicht in der Fahrschule Wien gelernt hat. Und nach ein paar Tagen beginnt man zu ahnen: Das funktioniert wahrscheinlich besser, als es auf den ersten Blick aussieht. Aber der erste Blick ist durchaus sehenswert.

 

Samstag – Archäologisches Museum, Scheibe von Phaistos und Abschied

Am Samstag war Abreise. Vorher besuchten wir aber noch das Archäologische Museum in Heraklion, um die Relikte aus Knossos im Original zu bestaunen.

Besonders eindrucksvoll war auch die Scheibe von Phaistos, die im Museum ausgestellt ist. Sie wirkt auf den ersten Blick klein und unscheinbar, gehört aber zu den großen Rätseln der Archäologie. Ihre Zeichen sind spiralförmig angeordnet, und soweit bekannt, ist sie bis heute nicht allgemein anerkannt entziffert. Gerade das macht sie so faszinierend: Man steht vor einem Objekt, das seit Jahrtausenden existiert – und trotzdem noch nicht wirklich preisgibt, was es sagen will.

Das war ein sehr passender Abschluss. Am Anfang der Reise stand Knossos selbst, am Ende die Originalfunde im Museum. Dadurch bekam vieles noch einmal mehr Zusammenhang. Was man zuerst als Ort gesehen hatte, begegnete einem am Schluss noch einmal als Objekt, Detail und Geschichte.

Danach hieß es Abschied nehmen von Kreta – nach einer Woche, in der erstaunlich viel Platz hatte: Meer, Museen, Häfen, Bergdörfer, Keramik, Olivenöl, Bootsfahrt, Festung, Tavernen, Freddo Espresso, Sonnenuntergang, Kalamari, „Solod“ und ein paar kulinarische sowie verkehrstechnische Erkenntnisse.

 

Rückblick

Kreta war keine reine Strandwoche – zum Glück. Es war Geschichte, Meer, Kalamari, Freddo Espresso, herzliche Begegnungen, schöne Häfen und ein Verkehrssystem mit eigener Logik.

Nicht alles war großartig. Manches war speziell. Aber genau das macht es erinnerbar.

Schön, herzlich, eigenwillig – und sicher nicht langweilig. :)

 

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