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Ich bin durch mit Durchhalten

Ich bin direkt aus dem Urlaub krank zurückgekommen. Mit Mallorca-Akne – medizinisch: Acne aestivalis –, starkem Husten und Schnupfen. Es war das erste Mal, dass ich mich unmittelbar nach einem Urlaub krankmelden musste.

 

Mein Körper hat schlicht nicht mehr mitgespielt. Nichts mehr mit „durchhalten, nur die Starken kommen in den Garten“. Dieses Mal war klar: Es geht nicht. Außer dem Notwendigsten habe ich kaum etwas gemacht. Spaziergänge gab es zwar, aber im Schneckentempo, mit vielen Sitzpausen dazwischen. Einkäufe erledigen sich schließlich nicht von allein.

 

Auch beim Essen war mein Körper anderer Meinung als sonst. Fleisch geht im Moment fast gar nicht, aus Gründen, die ich nicht erklären kann. Suppen und Gemüse funktionieren besser. An Krafttraining habe ich einmal kurz gedacht. Der Gedanke allein hat gereicht, um das Thema wieder zu verschieben.

 

Dieses Nichtstun kenne ich kaum. Normalerweise bin ich immer irgendwie beschäftigt. Deshalb habe ich in den vielen Stunden allein zu Hause Blogbeiträge geschrieben. Mein Kopf funktioniert noch, etwas langsamer vielleicht, aber er funktioniert. Mein Körper hingegen hat sehr klar Pause eingefordert.

 

Natürlich bemitleide ich mich zwischendurch selbst. Aber diese erzwungene Pause hat auch eine andere Seite: Sie schafft Zeit zum Nachdenken. Und irgendwann habe ich sogar darüber nachgedacht, wie wenig Zeit ich in den vergangenen Jahren überhaupt zum Nachdenken hatte.

 

Fast mein gesamtes Berufsleben war ich im Volleinsatz. Besonders die letzten zehn Jahre waren massiv. Ich war so stark im beruflichen Tun eingebunden, dass kaum Raum blieb, in Ruhe zu analysieren, warum manches nicht rund läuft. Selbst nach Hans’ Tod habe ich noch mehr als zwei Jahre weitergemacht. Funktioniert, erledigt, weitergemacht.

 

Überlastung wollte ich lange gar nicht als Thema sehen. Schließlich arbeite ich seit Hans’ Sterbemonat mit deutlich reduzierten Stunden. Also warum sollte ich jammern? So habe ich jedenfalls lange gedacht.

 

Irgendwann musste ich mir jedoch eingestehen, dass verringerte Stunden auf dem Papier wenig bedeuten, wenn die tatsächliche Arbeitsleistung weiterhin weit darüber liegt. Sichtbar wird das nicht nur am eigenen Erschöpfungsgefühl, sondern auch ganz praktisch: Allein für heuer steht bei mir Alturlaub von mehr als vier Monaten. So etwas entsteht nicht, wenn Arbeit und Erholung noch in einem gesunden Verhältnis stehen.

Bis ich schließlich an dem Punkt war, an dem klar wurde: So kann es nicht weitergehen.

 

Das halte ich nicht mehr lange aus.

 

2025 habe ich deshalb schweren Herzens beruflich einen Schritt zurück gemacht. Angepasst an meine tatsächliche Arbeitszeit. Mit einer Nachfolge, die es meiner Einschätzung nach gut hinbekommen könnte – auf ihre eigene Art, wäre sie noch im Unternehmen.

 

In dieser Zeit habe ich begonnen, mein Hirn freizuschaufeln. Ich habe meine freie Zeit auch dafür genutzt, berufliche Situationen auseinanderzunehmen und für mich nachvollziehbar zu machen, warum Dinge so laufen, wie sie laufen. Erst dadurch ist mir klar geworden, was ich alles kann, was ich über Jahre beobachtet habe und wie viel davon früher nicht sauber eingeordnet wurde, weil schlicht keine gedankliche Luft mehr dafür da war.

 

Ein wenig schmerzt es, dass ich dafür so lange gebraucht habe. Und ja, ein wenig bin ich auch verärgert über mich selbst, weil ich mich so lange habe ausquetschen lassen. Nicht mutwillig. Nicht bösartig. Sondern weil es offenbar sehr leicht war, mir zu vermitteln, wofür ich überall zuständig bin und wofür ich mich verantwortlich fühlen soll.

 

Dass Kolleginnen mir sogar an Samstagen während meines Krankenstands WhatsApp-Nachrichten mit ihren Anliegen schreiben, überrascht mich deshalb nicht wirklich. Genau so ist es jahrelang gelaufen. Ich war erreichbar, ich habe mitgedacht, aufgefangen, sortiert, erklärt und oft auch beruhigt. Das war bequem für andere und lange Zeit selbstverständlich für mich.

 

Ich bin eine Mitdenkerin. Ich bin eine Kümmerin. Ja, das bin ich. Aber ich möchte nicht mehr die Steigleiter sein, auf die man steigt, wenn etwas nicht funktioniert. Ich möchte nicht der Fußabstreifer sein, an dem Belastung abgeladen wird. Und ich möchte auch nicht der Ersatz für den Notfallsknopf sein, der immer gedrückt werden kann, sobald jemand nicht weiterweiß.

 

Ich empfinde das nicht als Bitterkeit. Eher als späte Klarheit – und als leise Enttäuschung darüber, dass ich so lange gebraucht habe, um es zu sehen.

 

Dieses Kranksein, das mich jetzt so deutlich aus der Bahn geworfen hat, fühlt sich ein wenig so an, als wäre der Druck der letzten Jahre noch einmal gesammelt bei mir angekommen. Dabei arbeite ich seit rund eineinhalb Jahren aktiv dagegen an.

 

Vielleicht ist genau das die nüchterne Erkenntnis: Innere Veränderungen beginnen oft früher, als der Körper sie mittragen kann. Man kann Entscheidungen treffen, Grenzen ziehen, Aufgaben abgeben und trotzdem merkt der Körper erst später, wie viel Druck vorher da war.

 

Dieses Mal versuche ich nicht, es wegzudrücken. Dieses Mal nehme ich ernst, dass mein Körper nicht gestreikt hat, weil ich schwach bin, sondern weil lange Zeit sehr viel von ihm verlangt wurde.

 

 

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