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Allgemeinheit  ·  24. August 2025

Ageismus: mein Blick darauf

Ich verwende bewusst den Begriff Ageismus. Altersdiskriminierung wird im Deutschen oft nur mit „alt“ verbunden. Mir ist wichtig zu betonen: Ageismus kann alle treffen. In diesem Beitrag beziehe ich mich allerdings vorwiegend auf ältere Menschen – auch wenn ich selbst gar nicht so genau weiß, wo „alt“ eigentlich anfängt.

 

 

Als ich jung war, hatte ich ältere Kolleginnen, die jede Veränderung mit einem „Das haben wir immer so gemacht“ abtaten. Für mich klang das damals nach Sturheit, als ob Alter automatisch mit Widerstand gegen Neues verbunden wäre. Heute sehe ich das anders. Wahrscheinlich hing dieses Verhalten eher mit dem Sicherheitsdenken jener Generation zusammen, mit langen Arbeitsverhältnissen bei einem einzigen Arbeitgeber und mit dem Bedürfnis, Vertrautes zu bewahren. Rückblickend verstehe ich, dass es weniger um Sturheit ging, sondern oft um Stabilität.

 

 

Und doch begleitet mich dieses Bild bis heute, weil es sich damals so stark eingeprägt hat. Gleichzeitig merke ich, dass ich heute kaum mehr älteren Kolleg:innen begegne, die so reagieren. Viele sind im Gegenteil flexibel, neugierig und bereit, sich auf Neues einzulassen. 

 

 

Wenn ich in meinem jetzigen Arbeitsumfeld hinschaue – und ich betone ausdrücklich, dass es meine persönliche, subjektive Wahrnehmung ist –, sehe ich, dass Diskriminierung älterer Kolleg:innen nicht daran liegt, dass sie wirklich starr oder unbeweglich wären. Im Gegenteil: Oft wird ihnen weniger zugetraut, oder sie werden still an den Rand gedrängt. Gleichzeitig erlebe ich, dass auch die Jüngeren betroffen sind – sie gelten als unerfahren oder noch nicht reif genug. Für mich ist das alles Teil desselben Problems: Ausgrenzung allein aufgrund des Alters, nur in unterschiedlicher Form.

 

 

Was ich allerdings nicht verstehe: Viele Menschen in meinem Umfeld, die längst selbst über 50 sind, meinen, das betreffe sie nicht. Sie winken ab, wenn ich das Thema anschneide, oder sagen: „Warum kümmerst du dich überhaupt darum?“ Manchmal höre ich auch: „Wenn man sich damit beschäftigt, fühlt man sich ja nur alt.“ Für mich ist das eine sehr kleingeistige Haltung. Probleme verschwinden nicht, nur weil man nicht über sie spricht. Herausforderungen sind nicht weg, wenn man sie totschweigt.

 

 

Andere drehen die Verantwortung sogar um und meinen: „Wenn du dich diskriminiert fühlst, liegt das an dir. Man müsse sich halt aktiv einbringen.“ Auch das irritiert mich. Natürlich kann jeder Mensch versuchen, selbstbewusst aufzutreten. Aber wenn Strukturen oder Denkweisen Menschen aufgrund ihres Alters ausgrenzen, dann ist das kein individuelles Empfindlichsein, sondern ein gesellschaftliches Problem.

 

Und wenn ich von Menschen Anfang fünfzig höre, das alles sei für sie noch weit weg, denke ich, dass auch das eine Form von Verdrängung ist. Weil alt sein in unserer Gesellschaft so oft mit Gebrechlichkeit, Rückzug und Wertlosigkeit verbunden wird – und wer möchte sich schon freiwillig mit diesen Bildern identifizieren?

 

 

Wann beginnt alt sein?

 

 

Manchmal frage ich mich: Wann beginnt eigentlich „alt sein“? Ist es ein Gefühl? Eine Zuschreibung von außen? Oder das, was der Gesetzgeber festlegt?

 

 

Für viele ist es ein sehr persönlicher Punkt. Manche fühlen sich mit siebzig noch jung, andere schon mit Mitte vierzig alt. Oft wird die Grenze einfach nach hinten verschoben – „alt sind immer die anderen“.

Gesellschaftlich hingegen setzt das Etikett deutlich früher an: In der Arbeitswelt gelten Beschäftigte ab 45 oder 50 plötzlich als „ältere Arbeitnehmer:innen“. Förderprogramme, Stellenanzeigen oder Sätze wie „mit fünfzig ist man halt nicht mehr so flexibel“ zeigen, wie schnell solche Zuschreibungen entstehen – auch wenn sie mit der individuellen Wirklichkeit wenig zu tun haben.

 

 

Und dann gibt es noch die rechtliche Ebene. Der Gesetzgeber definiert Alter in klaren Zahlen: altersbezogene Förderungen ab 45, Pension ab 60 beziehungsweise 65. In Statistiken ist man mit sechzig automatisch „Senior:in“. So wird „alt sein“ von außen fixiert, egal wie jemand sich tatsächlich fühlt.

 

 

Für mich zeigt sich darin: Alt sein ist kein einheitlicher Zeitpunkt. Es ist ein Zusammenspiel aus persönlichem Empfinden, gesellschaftlicher Erwartung und rechtlichen Rahmen. Was aber nichts an dem Vorhandensein von Ageismus ändert.

 

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

 

 

Mir fällt dabei auf, dass „alt sein“ für Frauen und Männer oft unterschiedlich beginnt. Frauen gelten gesellschaftlich meist früher als alt – manchmal schon mit vierzig oder fünfzig. Von ihnen wird Jugendlichkeit viel stärker erwartet, und Alterserscheinungen werden schneller negativ bewertet. Männer dagegen erfahren Ageismus oft später, manchmal sogar mit einer positiven Wendung: graue Haare oder Falten gelten bei ihnen als Zeichen von Autorität oder Erfahrung. Für mich zeigt das, dass Ageismus nicht nur eine Frage des Alters ist, sondern auch des Geschlechts – und dass Frauen hier in vieler Hinsicht stärker betroffen sind.

 

 

 

Je mehr ich über Ageismus nachdenke, desto deutlicher wird mir: Wir alle sind irgendwann davon betroffen. Mal früher, mal später, mal subtil, mal sehr direkt. Deshalb möchte ich nicht wegsehen und auch nicht verstummen. Für mich ist es wichtig, Fragen zu stellen, zuzuhören und hinzuschauen – gerade dann, wenn andere lieber abwinken oder das Thema verdrängen. Denn Schweigen macht Ausgrenzung nicht kleiner, sondern größer.

 

 

Mein Wunsch ist, dass wir beginnen, Alter nicht länger als Abwertung zu sehen, sondern als Teil eines vielfältigen Lebens. Dass wir aufhören, Menschen auf ihr Geburtsdatum zu reduzieren, und stattdessen wahrnehmen, wer sie sind und was sie beitragen. Denn letztlich betrifft es uns alle - früher oder später😉 😉 😉

 


Quellenangaben

  • AMS/SORA-Studie 2023: „Ungleichbehandlung älterer und langzeitarbeitsloser Menschen bei Bewerbungen“ → ams.at

  • Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW): Informationen zu Ageismus/Altersdiskriminierung → gleichbehandlungsanwaltschaft.gv.at

  • Statistik Austria: Bevölkerungsdaten und Altersgruppen → statistik.at

  • Ageing Equal / UN Advocacy Brief: „Ageism and Gender“ → ageing-equal.org

  • Wikipedia: „Double Standard of Aging“ (mit Literaturverweisen auf Studien) → en.wikipedia.org

  • The Times: „Over 70s rail against agesplaining“ → thetimes.co.uk

  • The Guardian: „The benevolent ageism of elderspeak“ → theguardian.com

Bild mittels KI generiert

 

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